Teilprojekte JE1-JE7
Übersicht auf die sieben fortlaufenden HaJeMa-Projekte (syn.: "Teilprojekte")
Die sieben JE-Teilprojekte bilden das gemeinsame Forschungsprogramm des DZPG-Standortverbunds Halle-Jena-Magdeburg in der Ausbauphase. Sie verbinden Forschung zu neuronalen Schaltkreisen und früher Belastung mit Bildgebung, sozialer Interaktion, Immun- und Stoffwechselprozessen sowie der Entwicklung neuer neuromodulatorischer und psychotherapeutischer Behandlungsansätze. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, Mechanismen psychischer Erkrankungen besser zu verstehen und wissenschaftliche Erkenntnisse stärker für Früherkennung, Prävention und individualisierte Therapie nutzbar zu machen.
Zuwendungstitel: DZPG Ausbauförderung - Standort Jena/Magdeburg – Arbeitspakete der Universität Magdeburg
Förderkennzeichen: 01EE2505D
Projektlaufzeit: 01.09.2025 - 31.08.2030
Fördermittelgeber: bund; BMFTR (bei Antragstellung BMBF)
Zuwendungsempfänger: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Medizinische Fakultät
JE1 – Frühe Belastungen, neuronale Plastizität und Resilienz
Vollständiger Projekttitel: Die Schaltkreisbasis der Verhaltens(fehl)anpassung: Mikro- und Mesokreisplastizität bei früher Adversität und Traumata
JE1 untersucht, wie belastende Erfahrungen in frühen Lebensphasen die Entwicklung neuronaler Schaltkreise verändern und warum daraus sowohl eine erhöhte Anfälligkeit als auch Resilienz gegenüber psychischen Erkrankungen entstehen kann. Besonders betrachtet werden Hirnsysteme, die unter anderem Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis steuern. Ziel ist es, die biologischen Mechanismen von Anpassung und Fehlanpassung besser zu verstehen und daraus Ansatzpunkte für neue Interventionen abzuleiten.
Dafür verbindet das Projekt Untersuchungen auf unterschiedlichen biologischen Ebenen – von Synapsen und lokalen Schaltkreisen bis hin zu größeren neuronalen Netzwerken. Bildgebungsverfahren, KI-basierte Verhaltensanalysen und Omics-Methoden werden mit experimentellen Modellen und Untersuchungen am Menschen kombiniert. Zusätzlich wird erforscht, welche Rolle immunologische und entzündliche Prozesse bei stressbedingten Veränderungen neuronaler Schaltkreise spielen.
Projektkoordination Magdeburg: Prof. Dr. Dr. Anne Albrecht (IANA)
Federführung: Prof. Dr. Stefan Remy(LIN)
JE2 – Neurobildgebung und Krankheitsverläufe bei affektiven Störungen
Vollständiger Projekttitel: Untersuchung der von der Neurobildgebung abgeleiteten Prädiktoren und Mediatoren von Krankheitsverläufen bei affektiven Störungen
JE2 untersucht, ob sich mithilfe moderner Hirnbildgebung besser vorhersagen lässt, wie affektive Symptome und Erkrankungen verlaufen und welche Patient:innen von bestimmten Behandlungen profitieren. Zwar sind zahlreiche strukturelle und funktionelle Veränderungen von Hirnnetzwerken bei affektiven Störungen bekannt. Noch ist jedoch nicht ausreichend geklärt, welche dieser Veränderungen tatsächlich mit dem individuellen Krankheitsverlauf oder Therapieerfolg zusammenhängen.
Dafür werden Bildgebungsdaten aus Kohorten, Interventionsstudien und der klinischen Routine standortübergreifend zusammengeführt. Geplant ist unter anderem eine multizentrische longitudinale Stichprobe von rund 1.000 Personen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Harmonisierung unterschiedlicher Bildgebungsdaten und auf modernen multivariaten Analyseverfahren. Langfristig sollen daraus Marker entstehen, die Diagnostik, Prognose und Therapieplanung unterstützen können.
Projektkoordination Magdeburg: Prof. Dr. Thomas Nickl-Jockschat(KPSY)
Federführung: Prof. Dr. Dr. Ronny Redlich (MLU)
JE3 – Soziale Interaktion und Synchronisation
Vollständiger Projekttitel: Modifizierung unangepasster sozialer Interaktions- und Synchronisationsmuster
JE3 untersucht psychische Gesundheit im Kontext sozialer Beziehungen und Interaktionen. Psychische Belastungen entstehen und zeigen sich nicht ausschließlich innerhalb einzelner Personen, sondern können sich auch in Beziehungen, Familien und anderen sozialen Situationen entwickeln und gegenseitig verstärken. Das Projekt erforscht daher funktionale und dysfunktionale Interaktionsmuster sowie deren neuronale, körperliche und verhaltensbezogene Grundlagen.
Untersucht werden unter anderem die zeitliche Synchronisation von Gehirnaktivität und körperlichen Reaktionen zwischen Menschen sowie Mechanismen der Stressübertragung innerhalb von Familien. Dafür werden Hyperscanning-Verfahren, physiologische Messungen, Verhaltensbeobachtungen, epidemiologische Untersuchungen und experimentelle Modelle miteinander kombiniert. Ziel ist es, charakteristische Muster problematischer sozialer Interaktionen zu identifizieren und daraus Ansatzpunkte für deren gezielte Veränderung abzuleiten.
Projektkoordination Magdeburg: Prof. Dr. Dr. Anne Albrecht (IANA)
Federführung: Prof. Dr. Ilona Croy (FSU)
JE4 – Neuroimmunologie und psychische Gesundheit
Vollständiger Projekttitel: Entwicklungsaspekte und Therapie von neuroimmunologischen Mechanismen bei depressiven Störungen und postentzündlichen Sequelae
JE4 untersucht die Wechselwirkungen zwischen Immunsystem und Gehirn und deren Bedeutung für psychische Gesundheit. Entzündungsreaktionen können die Funktionsweise neuronaler Schaltkreise beeinflussen und dadurch unter anderem Kognition, Verhalten und psychisches Befinden verändern. Gleichzeitig finden sich bei bestimmten psychischen Erkrankungen Veränderungen der Immunaktivität. Welche Mechanismen diese Zusammenhänge vermitteln, ist bislang nur teilweise verstanden.
Das Projekt verbindet deshalb präklinische Untersuchungen mit Patient:innenstudien. Zum Einsatz kommen unter anderem Immunanalysen, Verhaltenstests, Elektrophysiologie und hochauflösende MRT-Bildgebung. Untersucht werden sowohl depressive Erkrankungen als auch psychische und kognitive Folgen entzündlicher beziehungsweise postinfektiöser Erkrankungen. Ziel ist es, gemeinsame neuroimmunologische Mechanismen besser zu verstehen und daraus mögliche neue Interventionsstrategien abzuleiten.
Projektkoordination Magdeburg: Prof. Dr. Johann Steiner (KPSY) Prof. Dr. Ildiko Dunay (IIN)
Federführung: Prof. Dr. Christian Geis (UKJ)
JE5 – Zusammenspiel von Körper und Psyche bei Adipositas
Vollständiger Projekttitel: Untersuchung und Modulation des Zusammenspiels zwischen Körper und Psyche bei Personen mit Adipositas
JE5 untersucht die wechselseitige Beziehung zwischen körperlicher und psychischer Gesundheit am Beispiel von Adipositas. Psychische Erkrankungen können mit metabolischen Veränderungen verbunden sein, während umgekehrt Adipositas und Stoffwechselstörungen psychisches Befinden und Erkrankungsverläufe beeinflussen können. Die zugrunde liegenden biologischen und neuronalen Mechanismen sind bisher jedoch nur unzureichend verstanden.
Das Projekt kombiniert Daten aus bestehenden Kohorten mit neuen longitudinalen und interventionellen Untersuchungen. Bei gesunden und psychisch erkrankten Teilnehmenden werden Zusammenhänge zwischen Adipositas, metabolischer Regulation und neuronalen Schaltkreisen untersucht. Zusätzlich wird geprüft, ob sich relevante Hirnnetzwerke mithilfe repetitiver transkranieller Magnetstimulation (rTMS) gezielt beeinflussen lassen. Damit sollen neue Ansatzpunkte für Prävention und Behandlung an der Schnittstelle zwischen körperlicher und psychischer Gesundheit entstehen.
Projektkoordination Magdeburg: Prof. Dr. Florian Junne (KPSM)
Federführung: Prof. Dr. Florian Junne (KPSM)
JE6 – Neuromodulation bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Vollständiger Projekttitel: Identifikation neuronaler Zielgrößen/Targets für Neuromodulation im Entwicklungsverlauf bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
JE6 untersucht, wie neuromodulatorische Verfahren für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gezielter und altersgerecht weiterentwickelt werden können. Im Fokus stehen Entwicklungsstörungen wie ADHS und Lese-Rechtschreibstörungen, die schulische und berufliche Teilhabe sowie die Lebensqualität langfristig beeinträchtigen können. Voraussetzung für neue Behandlungsansätze ist ein genaueres Verständnis der beteiligten Hirnnetzwerke und ihrer Entwicklung.
Dafür verbindet das Projekt Verhaltensuntersuchungen, EEG und Bildgebung mit experimentellen Untersuchungen zur Wirkung von Hirnstimulation. Kinder und ihre Familien werden unter anderem beim Übergang vom Vorschul- in das Grundschulalter longitudinal begleitet. Ziel ist es, frühe neuronale und verhaltensbezogene Merkmale zu identifizieren, die sowohl für die Früherkennung als auch als mögliche Zielgrößen neuromodulatorischer Behandlungen relevant sein können. Erfahrungsexpert:innen und Familien werden in die Entwicklung alltagstauglicher Anwendungsmöglichkeiten einbezogen.
Projektkoordination Magdeburg: Prof. Dr. Kerstin Krauel (KJP) Prof. Dr. Kristine Krug (IBIO) Dr. Jana Tegelbeckers (IfP)
Federführung: Prof. Dr. Kerstin Krauel (KJP)
JE7 – Psychotherapie früher erfassen und gezielt unterstützen
Vollständiger Projekttitel: Frühe Erfassung und Erfolgssteigerung von Psychotherapie anhand pharmakologischer und digitaler Augmentation
JE7 untersucht, wie sich psychotherapeutische Behandlungen durch zusätzliche pharmakologische und digitale Verfahren wirksamer und stärker individualisieren lassen. Besonders bei schwer ausgeprägten psychischen Erkrankungen profitieren nicht alle Patient:innen ausreichend von bestehenden Psychotherapieangeboten. Das Projekt untersucht daher, wie Therapieeffekte früher erfasst und durch ergänzende Verfahren gezielt verstärkt werden können.
Ein zentraler Ansatz ist die Kombination der CBASP-Psychotherapie mit Esketamin. Untersucht wird, ob die durch Esketamin beeinflusste neuronale Plastizität psychotherapeutische Veränderungsprozesse beschleunigen oder verstärken kann. Parallel werden über Wearables und Smartphone-Anwendungen Informationen zu Bewegung, Sprache, Schlaf und dem autonomen Nervensystem erhoben. Dadurch sollen Therapieprozesse genauer beobachtet und individuelle Reaktionen möglichst früh erkannt werden.
Projektkoordination Magdeburg: Prof. Dr. Florian Junne (KPSM)
Federführung: Prof. Dr. Martin Walter (UKJ) Prof. Dr. Florian Junne (KPSM)
